Netzfund: Mercedes W 124 als Investitionsobjekt?

Eine aus meiner Sicht ziemlich mutige Behauptung, die der Artikel aus dem Magazin „Classic Driver“ hier aufstellt: In dem Beitrag, der aus dem Jahr 2011 datiert, wird der Mercedes-Benz der Baureihe 124 zum Investitionsobjekt hochstilisiert und dies mit zum Teil banalen und auch schlicht falschen Behauptungen untermauert. So spricht der Autor von einer Verknappung des Angebots und damit einhergehend eines Anstiegs der Preiskurve für gute Exemplare. Jo, das trifft nun auf ziemlich viele Fahrzeuge zu, die in den letzten Jahren die Schwelle vom Gebrauchtwagen über den Youngtimerstatus bis hin zum beliebten Klassiker überschritten haben. Klar: Schlechte 124er sind häufig längst in der Presse gelandet oder nach Afrika verschifft worden, wo sie vermutlich trotzdem noch 20 Jahre zuverlässig laufen.

Der Mercedes-Benz W 124, ein "Mittelklassiker" im Wortsinn. Aber ein Investitionsobjekt?
Der Mercedes-Benz W 124, ein „Mittelklassiker“ im Wortsinn. Aber ein Investitionsobjekt?

Es stimmt, der W 124 war und ist ein gutes und solides Auto. Aus diesem Grund gibt es ja auch noch so viele, die nicht selten immer noch als Alltagsfahrzeuge im Einsatz sind und nicht verhätschelt werden. Auch das ein Grund, weshalb ordentliche Autos zwar schon lange nicht mehr an Wert verlieren, aber auch eben auch nicht signifikant zulegen. Ausnahmen gibt es natürlich. Der „Muskelprotz“ 500 E – und hier gerade die erste Serie, die bei Porsche endmontiert wurde – war immer teuer und ist es auch heute. Dem zeitlos eleganten und tresorähnlich massiv gebauten Cabriolet lag sein Leben als Liebhaberstück eigentlich schon im Neuzustand in den Genen, wurde es entsprechend gepflegt und im Originalzustand belassen, strebt sein Marktwert je nach Ausstattung inzwischen mit großen Schritten auf die 20.000-Euro-Grenze zu. Das mag man „Rendite“ nennen, von einem Hochpreisklassiker aber ist die Baureihe nach wie vor doch deutlich entfernt.

Und eine weitere Behauptung des Artikels hat die Fanszene längst widerlegt: Der Autor empfiehlt insbesondere die dritte und letzte Serie („Mopf2“) ab 6/93, um sie sich als Investitionsobjekt zu sichern. Mit Verlaub, das ist nun wirklich Unsinn! Die massiven Rostprobleme, die der Umstellung auf Wasserbasislacke und keimverseuchte Lackierstraßen geschuldet waren gingen einher mit ersten, etwa auch bei der Inneneinrichtung sichtbaren Einsparungen (fühlbar beispielsweise bei der Qualität von Schaltern und Polsterstoffen), weshalb die späten Modelle unter „Benzologen“ eigentlich relativ unbeliebt sind. Dafür aber auch wiederum vergleichsweise günstig zu haben.

Wie dem auch sei: Nicht ohne Grund ist die Baureihe 124 ein gerade für Einsteiger ins Hobby sehr beliebter Klassiker. Er ist technisch robust und ausgereift, Problemstellen sind in der Regel niemals so gravierend, dass sie nicht zu beheben wären. Er ist zeitlos, zuverlässig und einfach ein „echter“ Benz. Aber ein Investitionsobjekt? Sicher nicht. Wie denkt Ihr darüber? Zum Artikel geht´s hier…

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