Dekliniere: Mopf, Möpfe, Gemopft!

Ein Begriff, der im Umfeld von Mercedes-Fans baureihenübergreifend immer wieder auftaucht und den es tatsächlich auch nur im Benz-Kosmos gibt, ist die hübsche Wortkreation „Mopf“. „Fährst Du einen Vormopf oder einen Mopf2?“ – solche Debatten lassen Nichteingeweihte verständnislos-amüsiert mit dem Kopf schütteln, sind aber rasch erklärt.

„Mopf“ ist eine launige Abkürzung von „Modellpflegemaßnahme“, andere Hersteller sagen schlicht „Facelift“ oder Überarbeitung dazu. Hat ein Fahrzeug im Zuge seiner Bauzeit mehrere Evolutionsstufen durchlaufen, wurde es eben „gemopft“ und es gibt mehrere „Möpfe“, seriöser veranlagte Mercedes-Liebhaber sprechen bevorzugt von Serien. Das klingt aber nun einmal nicht so lustig…;-)

Vormopf oder Mopf 0, erkennbar an der dünnen Stoßleiste. Die Seitenbeplankungen aus Kunststoff kamen erst ab September 1989. Bild: Mercedes-Benz AG
Vormopf oder Mopf 0, erkennbar an der dünnen Stoßleiste. Die Seitenbeplankungen aus Kunststoff kamen erst ab September 1989. Bild: Mercedes-Benz AG

Anhand der Baureihe 124 sind die Modellpflegemaßnahmen, es gab zwischen 1985 und 1997 insgesamt zwei davon, auch äusserlich schnell zu erkennen: So bekamen alle Varianten ab September 1989 („Mopf 1“) die charakterische breite Seitenbeplankung (auch „Sacco“-Bretter genannt) – die das zweitürige Coupé schon immer hatte – und etwas mehr Chromschmuck auf Front- und Heckschürze. Zudem gab es auch im Innenraum mit einer endlich ergonomisch verbesserten Sitzanlage und technisch einige Neuerungen.

Früher Mopf 1 (Erstzulassung September ´89) mit der charakteristischen Seitenbeplankung und umlaufender Chromleiste auf Stoßfängern und Beplankung.
Früher Mopf 1 (Erstzulassung September ´89) mit der charakteristischen Seitenbeplankung und umlaufender Chromleiste auf Stoßfängern und Beplankung.

Ab September ´93 („Mopf 2“) bis zum Bauzeitende, das Cabriolet lief bis 1997, hieß die Baureihe nun offiziell „E-Klasse“, bekam bis auf wenige Ausnahmen durchgängig neue Motoren (16-Ventil-Benziner), eine insgesamt aufgewertete Ausstattung und passte sich optisch der damals neuen C-Klasse (W 202) an, was sich unter anderem beim plakettenförmigen Kühlergrill und dem nunmehr auf der Haube montierten Stern, transparenten vorderen Blinkergläsern und modisch eingefärbten Bicolor-Rückleuchten ausdrückte. Zudem gab es neue, dem Zeitgeist entsprechende, Lackfarben und farblich darauf abgestimmte Seitenbeplankungen.

Mopf 2 - Front ab September ´93: Plakettengrill, Stern auf der Haube, transparente Blinkergläser.
Mopf 2 – Front ab September ´93: Plakettengrill, Stern auf der Haube, transparente Blinkergläser.

Diese letzte Serie der beliebten Baureihe 124 lebt bis heute mit dem Image des „Schnellrosters“ und ist aus diesem Grund in der Fanszene nicht eben beliebt. „Schuld“ daran war die Umstellung des Werks auf umweltfreundlichere Wasserbasislacke und ein unglücklicher Umstand – keimverseuchte Lackieranlagen. So konnten mit dem Lack aufgetragene Bakterien für eine sich rasch und auch an ungewöhnlichen Stellen ausbreitende Korrosion sorgen. Mercedes besserte zwar großzügig nach, dennoch sollten heute angebotene Mopf 2 – Fahrzeuge karosserieseitig besonders unter die Lupe genommen werden.

 

2 Gedanken zu „Dekliniere: Mopf, Möpfe, Gemopft!“

  1. Es gab auch noch die ‚kleinen‘ Modellpflegen. 1988 war die z.B so eine, erkennbar an der SA-Nummer 868 auf der Codeplatte. ABS, beheizbarer rechter Außenspiegel und Waschwasserbeheizung wurden Serie. Beim Coupé änderte sich die Lackierung der Planken von der harten – meist muschelgrauen – Kontrastfarbe zu nur noch leicht abgesetzten der Hauptfarbe ähnlichen Tönen.

    1. Hallo Christoph,

      völlig korrekt! Vielen Dank für Deine Ergänzung. Auf diese „Produktaufwertung“ genannten Maßnahmen bin ich hier nicht eingegangen, weil sie keine „Möpfe“ waren. Aber es gab sie natürlich.

      Gruß,

      Tobias

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